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Konzerte im alte Bad Pfäfers gelten als Klein aber Fein.
Raphael Reber durfte diesen Ruf mit Preziosen seines Könnens am Bandoneon festigen.
Der Ausflug in die Welt des Tangos berührte Geist und Seele.

Von Reinhold Meier

Bad Pfäfers.- Es war eine Stunde der Meditation, die der ehemalige Geiger Raphael Reber auf die Bühne zauberte. Seit Jahren widmet er sich dem Studium des Bandoneons, jenem wenig gespielten, südamerikanischen und Diatonischen Handzuginstrument; das entfernt an ein Akkordeon erinnert.
Reber, der im letzten Jahr das Eröffnungskonzert der beachteten Reihe „Flimserstein“ mitgestaltete, durfte im alten Bad nun erstmals mit seinem Soloprogramm auftreten.
Das Rezital unter dem Namen „Adentro“ hielt, was es versprach. Denn die musische Stunde im alten Barockbad geriet buchstäblich zu einem Impuls innerer Einkehr. Gefühlvoll, emphatisch und allzeit präsent entführte ein in sich versunkener Reber in die komplexe Welt des Tangos, liess die ungewöhnlichen Harmonien seines Instruments in erstaunlicher Bandbreite erklingen und verlieh den Emotionen aufs glaubhafteste Wirkung und Tiefe.

Gefühlvoll,neugierig, spürbar
Mit dem Klassiker „Cumparsita“ setzte er zur Freude der fast 100 Anwesenden den ersten Akzent. Heiter , temperamenvoll, mitreissend – wie alle folgenden Stücke hatte Reber auch dieses feinfühlig selbst arrangiert.
Es folgten zwei weitere aus dem städtischen Umfeld stammende und europäisch beeinflusste Tangos, „Milonga Triste“ und „Sur“. Der erste traurig, sehnsüchtig vibrierend, der zweite mit belebendem Variantenreichtum und gefühlvoll inszenierten Pausen. Den Abschluss bildete „Griseta“, ein Stück aus Paris, das dem Motiv der tragischen Begegnung aus einer Puccini Oper feinsinnigen Ausdruck gab.
Im zweiten Block folgten drei Stücke, die Reber mit seiner persönlichen Reise in den Norden Argentiniens verbunden sah. Belebend und unterhaltsam kam das „Sirvinacu“ daher, ein Lied auf die Annäherung zweier Liebender. Neugier und Anziehung, aber auch Erstaunen und Distanz des besungenen Pärchens wurden lebhaft spürbar, glänzend umgesetzt durch das meisterhafte Ausreizen der Zweistimmigkeit des Instruments. Auch „Pomena“ und „Anera“ durften als Reminiszenzen an wertvolle persönliche Begegnungen in der Bergwelt der Anden verstanden werden.

Ausdruck und Sehnsucht
Die meist unglaublich rasch wechselnden Gegensätze von Piano bis Fortissimo, von Vivace zu Largo, dazu die ansatzlosen Crescendi bei ungewöhnlichen Rythmen und Melodien, verbunden mit der von Beginn weg authentischen Präsenz des Virtuosen,- das alles machte den Zauber seines Auftritts aus.
Der Applaus war denn auch gross und auf der Rückfahrt im Schluchtenbus wurde manches Lob an Dritte weitergegeben.
Doch zuvor hatte Reber noch drei Tangos auf Lager. Das Seidenweiche „Tiempos Viejos“ überraschte mit einem umwerfenden, orchestral wirkenden Schluss. Man meinte beinahe, den Akkord einer Orgel zu hören. Das kraftvolle „Volver“ galt der Erinnerung an Rebers Bandoneonmeister, während das abschliessende „Mal de Amores“ einer der wohl stärksten Emotionen, dem Liebeskummer, vollen, sehnsuchtsreichen, schmerzlichen Ausdruck verlieh.